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Buchtipps zu Weihnachten 2021

Folgender Inhalt:

 

- Bernd Brunner: Das Buch der Nacht

- Barack Obama & Bruce Springsteen: Renegades

. Meret Oppenheim. Mon exposition

- Moni Port, Philip Waechter: Sie müssen den Schmerz

  wegatmen. Das Rückenschmerztrostbuch,

 

Sachbuchtipp des Monats Dezember 2021

 

© Hartmut Fanger:  Lichtstrahl in dunkler Zeit

 

Bernd Brunner: „Das Buch der Nacht“

 

Galiani Verlag, Berlin 2021

 

Ein so stimmungsvolles wie ästhetisch ansprechendes Buch. Bereits das von Anne Blanke und Pauline Schröers attraktiv gestaltete Cover verbreitet mit Glitzeroptik auf dunkelblauem Leinen-Grund Zauber. Wie geschaffen zum Trost für die wohl dunkelste Zeit des Jahres. Der Autor Bernd Brunner wiederum bringt uns in seinem Werk dann nahe, wie u.a. Dichter und Schriftsteller, Philosophen und Gelehrte die Nacht erleben und wie facettenreich sie ihre nächtlichen Gefühle zum Ausdruck bringen. Wie Nacht poetisch zu stimulieren vermag, erfahren wir zum Beispiel von Ovid bis Goethe, von Novalis bis Hemingway, von Nietzsche, Marcel Proust, Rilke, Sophie von la Roche, Schopenhauer, Henry David Thoreau, Stefan Zweig und vielen, vielen mehr. Dabei spart Brunner nicht mit Anekdoten, humorvollen Begebenheiten und wissenswerten Details. Von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang. Und es ist einfach spannend, von der ‚Nacht im alten Rom’ zu erfahren, von ‚nächtlichen Verwandlungen’ oder „Nachtgestalten“, oder  dass beispielsweise ‚Dunkelheit Stimmungslagen verstärkt’, manch sogenannte ‚Kopfarbeiter sich in den dunklen Stunden ganz bewusst zurückziehen’, gerade dann ‚besonders kreativ werden, weil sie in dieser Zeit weniger von Lärm gestört und abgelenkt werden und sich besser konzentrieren können.’ Nicht umsonst bezeichnet der kubanische Schriftsteller José Marti die Nacht als „die fördernde Freundin der Poesie.“ Für Brunner Zeit, das Licht von Geschichten zu beschwören‚ von Aufbruch in die Zukunft zu schreiben, von etwas, das sich zeigen, das entstehen und gestaltet werden will. Vielleicht auch deshalb, weil der nächste Tag sozusagen vor der Tür steht. Am dunkelsten ist die Nacht vor der Dämmerung“, wusste laut Brunner schon der US-amerikanische Comic-Held Batman. Und die Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison äußerte sich einmal dahin gehend, ,dass es noch unbedingt dunkel sein muss, wenn sie aufsteht und sich eine Tasse Kaffee zubereitet, um, während sie noch trinkt, zu beobachten, wie das Licht kommt’. Zeit, sich, frei nach Rose Ausländer, ‚ins Herz der Zukunft zu träumen’. Denn wozu ‚dienen die Tage’, so die Frage der Filmregisseurin, Musikerin und Performance-Künstlerin Laurie Anderson, nämlich ‚um uns aufzuwecken’ und ‚die endlosen Nächte zu unterbrechen’. Ihr ‚dienen’ diese Nächte ferner dazu, ‚um durch Zeit in eine andere Welt zu fallen’.

 

Auch „Das Buch der Nacht“ sollte unter keinem Weihnachtsbaum fehlen.

 

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl!

 

 Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Galiani Verlag!

 

Sachbuchtipp des Monats Dezember 2021

 

© Hartmut Fanger:  Historische Dokumentation einer ungewöhnlichen Freundschaft  

 

 

Barack Obama & Bruce Springsteen: Renegades Born in the USA. Träume • Mythen • Musik - aus dem amerikanischen Englisch von Stephan Kleiner und Henriette Zeltner-Shane, Penguin Verlag, München 2021

 

 

Ein Geschenk zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten, nicht nur für Fans. Barack Obama und Bruce Springsteen. Zwei Freunde, die viel zu erzählen haben und deren Gespräche in dem gleichnamigen Podcast aus dem Jahr 2021 die Grundlage für das vorliegende Werk bilden. Dabei ist nicht nur viel über die Gemeinsamkeiten der so unterschiedlichen Lebensläufe beider Autoren, sondern auch reichlich über gesellschaftspolitische Hintergründe zu erfahren, etwas über Amerika und die Amerikaner selbst.

 

Ein attraktiver Band mit tollen Fotos auf 315 großformatigen Seiten – lehrreich, politisch, aktuell und brisant, kultig und faszinierend. Ein Werk, in dem man allein von der Optik her immer wieder gern blättert, sich dazu verführen lässt, sich die eine oder andere CD von Bruce Springsteen anzuhören, dessen wichtigste Texte in dem Band handgeschrieben enthalten sind. So etwa The Promised Land, My Hometown oder Born in the USA. Herausragend die Dokumentation der „veranstaltungsreihein performance at the white house“, wo mit zahlreichen Fotos der jeweils dort auftretenden Künstler und einer genauen Auflistung der Konzerte ein farbiges Bild von dem reichen Kulturleben in dem politisch wohl mächtigsten Haus der Welt vermittelt wird. Neben Obama und seiner Familie und Bruce Springsteen sind u.a. Paul McCartney, Kris Kristofferson, James Taylor, Mick Jagger und Joan Baez zu sehen.

 

Brisant nicht zuletzt jene Textstellen, wo sich beide Autoren zur aktuellen politischen Lage in den USA und der Welt äußern, es um Rassismus, Ungerechtigkeit und Nachlässigkeit der Trump-Regierung im Umgang mit der Pandemie geht, was millionenfache Todesopfer forderte. So beginnt das Werk auch gleich mit einem Statement Obamas über all das, was ihn seit 2020 bis heute aufgerüttelt hat. Die Ermordung George Floyds, die hohe Arbeitslosigkeit, der gewalttätige Angriff auf das Kapitol. Doch auch die Ernennung Joe Bidens zum Präsidenten der Vereinigten Staaten spielt eine Rolle. Und er berichtet davon, wie er Zeuge von wachsender Wut und Spaltung in den USA wurde und sich die Frage stellt, wie es möglich wäre, „den Weg zurück zu einer stärker einigenden amerikanischen Geschichte“ zu finden. Eine komplexe Thematik, die, wie zu erahnen, gleich auf mehreren Ebenen durchdekliniert wird, wenn Barack Obama und Bruce Springsteen neben den bereits erwähnten Themen wie Freundschaft und Rassismus sich außerdem über Finanzfragen, Musik, Machismo, starke Frauen und Familie austauschen.

 

Alles in allem ein ungemein lesenswertes Buch zweier außergewöhnlicher Autoren, das uns deren gesellschaftliche Bedeutung, vor allem aber ihre Menschlichkeit nahebringt – nicht zuletzt ein großartiges Weihnachtsgeschenk!

 

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl!

 

Sachbuchtipp des Monats Dezember 2021

 

© Erna R. Fanger: Meret Oppenheims Kosmos surrealer Welten

 

Grandiose Werkschau in Zeiten der Pandemie

 

Meret Oppenheim. Mon exposition“, herausgegeben von Nina Zimmer, Kunstmuseum Bern; Natalie Dupêcher, The Menil Collection, Houston; Anne Umland, The Museum of Modern Art, New York, mit Lee Colón und Nora Lohner. Hirmer Verlag GmbH, München 2021, www.hirmerverlag.de, www.kunstmuseum.ch

 

Bei „Meret Oppenheim. Mon exposition“ handelt es sich um die erste, groß angelegte transatlantische Retrospektive, die sich nicht zuletzt der engen Zusammenarbeit zwischen Kunstmuseum Bern,  The Menil Collection, Houston, und The Museum of Modern Art, New York, verdankt. Der Ausstellungstitel wiederum verweist auf eines der letzten Projekte der 1985 im Alter von 72 Jahren verstorbenen Künstlerin, einer imaginierten Retrospektive Ihres Lebenswerks in ihrer Wahlheimat Bern mit einer Auswahl von über 200 Arbeiten, eigens dafür in Miniaturansicht gezeichnet. Oppenheim verfügte, dass nach ihrem Tod dem Kunstmuseum Bern, das heute über den größten Anteil ihrer Werke verfügt, ein Drittel ihrer Arbeiten überlassen würde. Es bildet daher mit Die Kunst der Retrospektive. Meret Oppenheims Zeichnungen einer „Imaginären Ausstellung“, 1983, den dritten Schwerpunk und Abschluss dieses Bands, eröffnet mit The Menil Collection unter dem Motto „Endlich Freiheit!“ Das Schaffen Meret Oppenheims von 1932 bis 1954, gefolgt von den Sammlungen des Museum of Modern Art mit Schwerpunkt Surrealismus unter dem Titel MERET OPPENHEIM ALS ZEITGENÖSSISCHE KÜNSTLERIN. FÜNF NAHAUFNAHMEN AUS DEN JAHREN 1966 bis 1982.

 

Dass Oppenheims Werk mit diesem opulenten Bildband, ästhetisch ansprechend, kunstwissenschaftlich fundiert und in herausragender Bildqualität aufwändig gestaltet, gerade jetzt, im Zuge der Pandemie, einem größeren Publikum zugeführt wird, ist für viele Kunstfreunde, die es derzeit nicht riskieren wollen, sich im öffentlichen Raum zu bewegen, ein ausgesprochener Glücksfall. Aber das ist nur ein Grund. Ausschlaggebend scheint vielmehr die Sprengkraft von Oppenheims visionärer Kreativität, originell, voll Witz und eine innere Freiheit und Souveränität atmend, die den Horizont weitet und neue Perspektiven in den Blick nimmt. Inspiration, die in Zeiten umfassenden Wandels neue Sichtweisen erschließen kann. Keiner weiß derzeit, wohin die Reise geht. Und mühsam nach Orientierung ringend, bedarf es jetzt mutiger Schritte heraus aus dem Dilemma, in das wir als Menschheit geraten sind, und nicht zuletzt der inneren und äußeren Freiheit, sich über Grenzen hinwegzusetzen. Diese muss man sich laut Oppenheim „nehmen, sie wird einem nicht gegeben.“ Lassen Sie sich mitreißen von diesem großartigen Band und der imaginären Kraft der Fantasie Meret Oppenheims – verschenken Sie ihn zu Weihnachten!

 

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Hirmer Verlag, München

 

Buchtipp des Monats Dezember 2021

 

© Erna R. Fanger  

 

Das Rückenschmerzbuch: empathisch, humorvoll – Der Hit

 

Moni Port, Philip Waechter: Sie müssen den Schmerz wegatmen. Das Rückenschmerztrostbuch, Kein & Aber Verlag, Zürich 2021

 

Gerade die schreibende Zunft, aber auch all die vielen anderen Sitz-Berufe, sind damit vertraut. An den Rechner gebunden, verliert man die Zeit aus dem Auge. Sitzt fest. Irgendwann ist es so weit. Der Rücken verdirbt uns die Tour und streikt. Schuldbewusst beginnen wir mit längst fälligen Übungen. Doch nichts hilft. Die Familie, ratlos, unterstützt, wo sie kann. Der Orthopäde wird zu Rate gezogen – der Muskel sei’s. Wärmekompressionen helfen. Physio steht an: Viel trinken hilft. Die Bandscheibe sei wie ein Schwamm. Der Osteopath sieht’s anders. Es ist der Nerv, und der braucht Kühlung. Wärme auf Muskel ade. Und das ist nur der Anfang der Odyssee, die den Schmerzgeplagten bevorsteht. Von Orthopäde zu Orthopäde geht’s. Desgleichen wechseln Physiotherapeuten wie Osteopathen. Und jeder hat eine andere Heilmethode im Fokus. Und natürlich bleibt der Rat Leid geprüfter Freund:innen nicht aus, die uns jede Menge alternativer Methoden empfehlen. Von veganer Ernährung bis zu Fleisch, ja, aber nicht von Säugetieren. Und unbedingt Kurkuma nehmen, hilft gegen Entzündungen. Von auf keinen Fall operieren bis bloß die OP nicht zu lange aufschieben, das schädigt die Nerven, von einfach mehr Sex, Entgiften löst alles, bis zu den Tücken des Schmerzgedächtnisses – könnte auch alles nur Einbildung sein, reicht die Palette.

 

Dann will man es endlich wissen. Die Buchhandlung wird gestürmt. Ein ganzer Stapel Neuerscheinungen, nach Hause geschleppt, wird studiert. Doch auch hier – überbordende Vielfalt. Und jede Methode verspricht uns Erlösung. Freunde wenden sich ab. Überraschung: Neue Freunde stellen sich ein, greifen uns liebevoll unter die Arme. Der Weg der Heilung hat begonnen. Irgendwann hat jeder gefunden, dessen er bedurfte, und mit einem Mal ist der Spuk vorbei. Unsere Mühe hat sich gelohnt. Wir radeln wieder und kaufen uns Blumen für den Balkon. Ein kleines, von Philip Waechter hinreißend illustriertes Buch, mit heiteren Texten liebevoll untermalt von Moni Port – die weitaus beste Therapie!

 

Aber lesen und schauen Sie selbst, viel Vergnügen!

 

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Kein & Aber Verlag, Zürich 2021!

 

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