Sachbuchtipp des Monats Januar 2019

 

© Hartmut Fanger:

Alexander von Humboldt – Vorreiter des Nature Writing, Grüner der ersten Stunde 

 

Andrea Wulf: „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“, Penguin Verlag, München 2018

Das seit seiner Erscheinung laut Deutschlandfunk ‚beste Sachbuch des Jahres’ ist nun auch als Taschenbuch erhältlich. 

Ein Muss für jeden, der sich, ganzheitlich orientiert, für das Zusammenspiel von Natur, Poesie, Historie und Politik interessiert. Auf über 555 Seiten, von Beginn an spannend und eloquent, ja mitreißend geschrieben, erzählt Wulf packend von Bergbesteigungen, Urwaldexpeditionen und revolutionären Verhältnissen,von einer Zeit der Entdeckungen, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, technischen wie dichterischen Errungenschaften. Von Südamerika und Russland, von Begegnungen mit Universalgenies wie Goethe, Staatshäuptern wie Napoleon oder dem damaligen US-Präsidenten Thomas Jefferson. Von dem Revolutionär und späteren Diktator in Südamerika Simón Bolívar ganz zu schweigen. Darüber hinaus enthält es nicht zuletzt einen über 120 Seiten umfassenden Anmerkungsapparat, worin auch nur jedes kleinste Zitat einen Beleg findet, darüber hinaus jede Menge Kartenmaterial und zum Teil farbige Abbildungen.

Humboldt war es auch, der als erster eine Beziehung zwischen Kolonialismus und Umweltzerstörung hergestellt hat und ‚die Natur als komplexes Lebensnetz’ ansah, womit er gerade heute an Aktualität gewinnt. Nicht von ungefähr macht Wulf in ihrem Epilog im Hinblick auf den ‚Bericht des Weltklimarats’ von 2014 deutlich, wie sehr Humboldts Perspektive gegenwärtig umso dringender benötigt wird. So etwa die „Erkenntnis, dass alle gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Aspekte eng mit Umweltproblemen verknüpft sind...“ Aber auch, dass ‚die Natur Humboldts Lehrerin’ gewesen, deren ‚bedeutendste Lektion das durch Vielfalt hergestellte Gleichgewicht’ sei, das sehr wohl ‚als Vorlage für Politik und Moral dienen könne’, zeugt von seiner Vorreiterrolle in Sachen Ökologie. Demnach haben laut Humboldt „Alle Wesen, vom unscheinbaren Moos bis zu den gewaltigen Eichen, vom Insekt bis zum Elefanten ... ihre Aufgabe, und zusammen ergeben sie das Ganze. Die Menschheit sei nur ein kleiner Teil. Aber die Natur selbst sei eine Republik der Freiheit“. 

Geprägt hat Humboldts Ansichten von der Natur und dessen daraus abgeleiteten Freiheitsbegriff kein Geringerer als Goethe. Dementsprechend ist für Humboldt Dichtkunst ebenso notwendig, um die Geheimnisse der Natur zu verstehen. Goethe wiederum war von Humboldts Werk der „Geographie der Pflanzen“ so begeistert, dass er Ottilie in seinen „Wahlverwandtschaften“ äußern lässt: „Wie gern möchte ich einmal Humbolden erzählen hören“. Mit der „Geographie der Pflanzen“ hatte Humboldt nach Wulf „das erste ökologische Buch der Welt“ geschaffen, in dem sich der westlichen Wissenschaft eine völlig neue Sicht der Natur erschloss und worin ‚die Flora in einem Gesamtzusammenhang als ein ganzheitliches Zusammenspiel von Phänomenen gesehen wird’. 

Mit seinen „Ansichten der Natur“ schuf Humboldt dann ‚eine vollkommen neue Gattung, ein Buch, das eine lebendige Prosa mit herrlichen Landschaftsbeschreibungen und wissenschaftlichen Beobachtungen verband. Nicht zuletzt avancierte er damit zum Vorbild der heute unter dem Begriff „Nature Writing“ kursierenden, modernen Form der Naturbeschreibung. Für Goethe wiederum sei dies so verführerisch gewesen, dass er sich in einem Brief an Humboldt am liebsten „in die wildesten Gegenden gestürzt hätte“. Neben Goethe legte es den Grundstein und inspirierte das Werk von Wissenschaftlern, Dichtern und Denkern wie Ralph Waldo Emerson und Henry Davis Thoreau, Jules Verne und Charles Darwin. „Natur“, so Humboldt, „stehe in einer geheimen Kommunikation mit unserem inneren Leben. Ein klarer blauer Himmel löst beispielsweise andere Gefühle aus als hängende, dunkle Wolken.“ 

Und Wulf wartet natürlich noch mit sehr viel mehr als drängenden ökologischen Fragen und Entwicklungen von einst bis heute auf, mit exotisch anmutenden Gegenden und überragenden Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Es ist ihr mit „Alexander von Humboldt oder die Erfindung der Natur“ gelungen, ein so unterhaltsames wir lehrreiches Werk vorzulegen, das in unseren Schulen Einzug halten sollte. Denn wo sonst werden so komplexe Zusammenhänge logisch und einfach nachvollziehbar vor Augen geführt, Lust am Lesen geweckt, an Literatur ebenso wie an naturwissenschaftlichen und historisch-geografischen Themen.  

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl                                           Achiv 

Siehe auch unseren  Sachbuchtipp Robert Habeck"Wer wir sein könnten". Siehe zudem unseren Buchtipp:  Barbara Schuhmacher: "Ein aufrechter Mensch - Mein Großvater Otto Globig

 

 

 

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