Sachbuchtipp des Monats Januar 2023           

 

  ©  Hartmut Fanger:

   Bob Dylan’s Favourite Songs

 

Bob Dylan: Die Philosophie des modernen Songs, aus dem amerikanischen Englisch von Conny Lösch, C.H.Beck Verlag, München 2022

Bob Dylan ist immer wieder für eine Überraschung gut. Sechs Jahre, nachdem man ihn mit dem Literaturnobelpreis beehrt hat, erscheint nun der ästhetisch ansprechende, 350 Seiten umfassende Band. Blättert man darin, fallen zunächst die vielen farbigen Graphiken und Fotos ins Auge, die jede Menge Zeitkolorit der vornehmlich in den 50er-, aber auch 60er und 70er Jahren publizierten Lieder transportieren.

Insbesondere bei Dylan-Fans dürfte der musikalische Standpunkt des Meisters von Songklassikern auf reges Interesse stoßen. Von seinen eigenen Songs erwähnt Dylan gerade mal „Subterranean Homesick Blues“. Sehr viel mehr erfahren wir dafür über „London Calling“ von The Clash oder von „Pump It Up“ von Elvis Costello oder Pete Seegers „Waist Deep in the Big Muddy“. Darüber hinaus viel von Frank Sinatra, Elvis Presley und Willie Nelson, von Songs wie „Strangers in the Night“, „Blue Suede Shoes“, „Volare“ oder „The Black Magic Woman“. Nicht zu vergessen, der von Dylan besonders hervorgehoben Ricky Nelson, von dem ‚man behaupten könne, Ricky sei mehr noch als Elvis der eigentliche Botschafter des Rock ‘n Roll gewesen’.

Leidenschaftlich, dabei mit Empathie und jeder Menge Details, bringt Dylan uns den Soundtrack seines Lebens samt Interpreten nahe. In dem Kapitel des gleichnamigen Liedes „Viva Las Vegas“ wird zudem die Stadt als „Scheideweg der modernen Welt“ beschrieben, als „Utopia, Garten Eden, Land der Träume“, aber auch „Spielhölle“, die den ‚letzten Cent koste’. Ein Lied, das für den Ort wirbt und in dem einst die Karriere von Elvis Presley, seinem Interpreten, kläglich bergab ging.

Ähnlich Las Vegas, wo Dylan Dean Martin auf dem Höhepunkt seiner Karriere bei zwei nahezu identischen Auftritten im Sands Hotel schildert, wie dessen ‚scheinbar von Konsonanten freien Worte, die sie in die richtige Spur hätten lenken können, sich in unverständliche Abfolgen von Vokalen auflösen‘. Dass Martin ‚trügerisch singe, man ihm keinerlei Anstrengung anmerke, ihn kaum atmen höre’, er dabei „witzig, charmant und besoffen“ gewesen sei, wobei er Letzteres spätestens beim nächsten Auftritt wieder infrage stellt.

Auch Bobby Darin, Art Pendant zu Frank Sinatra, trat in Las Vegas auf, hatte dort allerdings lange nicht so viel Erfolg wie seine Konkurrenten, allen voran Frank Sinatra. Doch mit seiner Version von „Mack the Knife, dem legendären Lied aus der „Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht, tat sich für ihn eine neue Dimension auf. Verkörpert es nach Dylan doch jene Subkultur, die Hitler den Garaus gemacht haben soll. Der Song sei eine ‚Moritat’, so Dylan weiter, und Darins Gesang vermutlich ‚besser als der aller anderen’. Dies ist allein insofern schon bedeutsam, als die Chancen auf Erfolg ungleich verteilt waren. So erfahren wir, dass Sinatra zum Beispiel mit einem boxenden Vater und einer Geschäftsfrau als Mutter auf einen starken familiären Hintergrund bauen konnte, Darin dagegen nicht einmal wusste, wer sein Vater überhaupt war.  

Es sind die Details, die kleinen Episoden, eigentlich das, was sich scheinbar nur am Rand oder im Hintergrund eines Songs abzeichnet, was den eigentlichen Reiz von Dylans Ausführungen ausmacht. Das Ganze nicht ohne nostalgische Anwandlungen, fühlt man sich doch so manches Mal in alte Zeiten versetzt und wünschte sich, das eine oder andere Lied noch einmal anzuhören. Am Ende eine Komposition von Texten, die zusammen ein Werk bilden, das nach Fortsetzung ruft und von dem wir uns mehr und mehr wünschen.

Irritierend allein der Titel insofern, als er einen philosophischen Hintergrund suggeriert, die Auswahl jedoch rein subjektiv und somit eher weniger repräsentativ für gleich eine ganze ‚Philosophie des modernen Songs‘ scheint. Allenfalls kann man besagten Titel auch als persönliche Betrachtungsweise verstehen, inwiefern die Auswahl wiederum ihre Berechtigung hat.

Aber lesen Sie selbst, lesen Sie wohl!

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Beck Verlag, München                                                                  Archiv

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