Buchtipp des Monats

Oktober/November 2021

© Hartmut Fanger

 

Das Paris der Surrealisten – tödlich und riskant 

Britta Habekost: Stadt der Mörder

Kriminalroman, Penguin Verlag, München 2021

Britta Habekost hat mit „Stadt der Mörder“ einen packenden, über 460 Seiten umfassenden Kriminalroman geschrieben. In Paris im Zeitraum vom 15. bis zum 20. Dezember des Jahres 1924 angesiedelt, führt er das facettenreiche Bild einer noch immer vom Ersten Weltkrieg traumatisierten und vom Surrealismus geprägten Gesellschaft vor Augen. Zugleich stehen für die Stadt große Veränderungen an, so der geplante Abriss der berühmten Passage de l’Opéra.

 

Ein „Magnetismus des Zufalls“ (André Breton) führt die junge Protagonistin Lysanne auf der Suche nach der verschwundenen Schwester genau dort hin. Unterstützt wird sie dabei wiederum von Lieutenant Julien Vioric. Letzterer ermittelt zugleich in so spektakulären wie grausamen Mordfällen, die scheinbar allesamt miteinander zu tun haben. Eine dunkle Welt im tiefen Dezember der Nachkriegszeit mit all ihren Schrecken tut sich auf.

 

Faszinierend, wenn Lysanne in besagter Passage de l’Opéra die mittlerweile weltberühmten surrealistischen Dichter der Stadt, wie etwa André Breton, Robert Desnos, Philippe Soupault, Paul Éluard oder Louis Aragon begegnet. Insbesondere mit Letzterem tritt sie immer wieder in einen fesselnden Dialog, was ein so authentisches wie plastisches Bild des Genius abgibt. Ebenso tritt selbstverständlich Man Ray in Erscheinung sowie von Breton der ‚literarische Gott’ namens Lautréamont und dessen „Die Gesänge des Maldoror“ ins Spiel gebracht werden. Im Hinblick auf die Mordserie sollen sie noch eine ganz besondere Bedeutung erhalten. Breton ist es schließlich auch, der diesem Buch mit „Stadt der Mörder“ den Titel verleiht.  

 

Und es sind die vielen kleinen Details, wie beispielsweise die Musik Erik Saties, die Mode, die Einrichtung der Etablissements und einstige Errungenschaften einer mittlerweile mehr oder weniger versunkenen Welt, die das Ganze so authentisch wie lebendig vor Augen führen, um es der Nachwelt zu erhalten.

 

Ein nicht nur für Krimifreunde gut lesbarer, spannender Roman, der so unterhaltsam wie tiefsinnig dem Leser eine der bemerkenswertesten literarischen Epochen nahebringt. Und zugleich die akribische Arbeit der Polizei in der Zeit vor Augen führt. Sehr gut recherchiert und anschaulich dargestellt. Eine Lektüre, die gerade in den bevorstehenden langen Herbst- und Winterabenden Spaß machen wird!

 

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl!                                                                        Archiv

 

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Penguin Verlag!

 

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