Buchtipp  August - September 2022

© Hartmut Fanger

Geburtenstarke Jahrgänge in der BRD – Sind wir noch zu retten?

Thomas E. Schmidt: Grosse Erwartungen - Die Boomer, die Bundesrepublik und ich

Rowohlt Verlag, Hamburg 2022

In dem autobiographischen Essay gelingt es Thomas E. Schmidt, seines Zeichens Autor, Publizist und Kulturkorrespondent der Wochenzeitschrift DIE ZEIT, als Zeitzeuge auf 265 Seiten in 12 Kapiteln die wesentlichen Aspekte besagter geburtenstarker Generation vor Augen zuführen. Sprachlich versiert, lesenswert und facettenreich.

Als Zugehöriger derselben sorgt der Autor nicht zuletzt mit der Einführung des ‚Ichs’ sowie des ‚Wir’ für eine besondere Nähe zu den Ereignissen. Von historischen Gegebenheiten, wie etwa dem Leben in den Ruinen des Zweiten Weltkrieges, gefolgt von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder, bis hin zur Wiedererlangung der Deutschen Einheit und Gegenwart. So erlebte er in den Sechzigern und Siebzigern die zunehmende Politisierung in Schule und Universität, wo laut Schmidt „der real existierende Neomarxismus ...Anlass zu weiterführenden intellektuellen und politischen Suchbewegungen [gab].“ Aus der Frankfurter Schule mit Horkheimer und Adorno ging schließlich die Apo hervor, und entgegen deren geistige Väter war Revolte angesagt, die im sogenannten „Establishment“ nicht zuletzt Debatten über die Länge der Haare entfachte, worunter auch der Ich-Erzähler zu leiden hatte. Aus den USA nahmen seit den Sechzigern Literaturen der Beat-Generation wie Jack Kerouac, Allen Ginsberg, William S. Burroughs, um nur einige zu nennen, ihren Einfluss. Hesses Steppenwolf avancierte, ähnlich wie Adornos einst im amerikanischen Exil verfasstes Minima Moralia Reflexionen aus dem beschädigten Leben, diesseits und jenseits des großen Teichs jeweils zum Kultbuch. Auf der politischen Bühne wiederum ging mit dem Kniefall von Warschau der Stern Willy Brandts auf. Andererseits hielt die zunehmende Gewaltbereitschaft der RAF die Nation ebenso in Atem wie die Musik von „Velvet Underground“.

Doch wie erklärt sich dann später, in den Neunzigern und während der Anfänge des 21. Jahrhunderts, das Verhältnis besagter Geburtengänge zu dem ehemaligen Kanzler und Putin-Freund Gerhard Schröder, dem Schmidt ein ganzes Kapitel widmet. Wobei er originelle Titulierungen und Vergleiche nicht scheut, etwa wenn er Schröder in den 90ern als „Soul Foot für die Seele“ („endlich kein Vater mehr“)  bezeichnet und ihn zur Zeit, als dieser noch Ministerpräsident in Niedersachen war, als ‚machtbewussten Herzog in der Provinz, ein Buckingham, den Heinrich VIII mit Argwohn beobachtete und ihn am liebsten aufs Schafott geschickt hätte’ darstellt. Für viele entsprach Schröder laut Schmidt „womöglich wirklich dem Typus des Halbstarken aus unserer Kindheit, und dass etwas Raues, Widerborstiges, Plebejisches in die Politik einzog ... “

Kritiker von Schröders Politik, vornehmlich der von ihm ins Leben gerufenen Agenda 2010, danach seiner Rolle als Wirtschaftslobbyist russischer Gaskonzerne, nicht zuletzt der Freundschaft zu Putin, zumal seit dem Ukraine-Krieg, vermag dies Kern-Kapitel wenig zu überzeugen. Hinzu kommt der nicht wirklich glückliche Genre-Mix zwischen den romanhaften Zügen des Werks, gepaart mit essayistischen Anteilen.

Nichtsdestotrotz eine den Zeitgeist treffende und allein schon von daher empfehlenswerte Lektüre. Zugleich so kenntnisreiches wie farbiges Dokument einer Epoche, in dem sich so mancher wiederfinden dürfte. Darin eine Fülle von Anregungen, die zur Diskussion einladen. Ein streitbares Buch. Nicht zuletzt im Hinblick darauf, dass besagte Generation mit ihrem Verschleiß an Ressourcen künftigen Generationen ein schweres Erbe hinterlassen hat.

Doch lesen Sie selbst. lesen Sie wohl!

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Rowohlt Verlag in Hamburg                                                                                                  Archiv

Sachbuchtipp  April - Mai 2022

 © erf fanger

 Der Mensch: rastlos zwischen Geburt und Tod

László F. Földényi: Lob der Melancholie. Rätselhafte Botschaften. Aus dem Ungarischen von Akos Doma, Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2019.

Damit hat László F. Földényi, Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler sowie einer der führenden ungarischen Intellektuellen, uns eine so fein gewobene wie vielfach in Architektur, Film, Literatur und Bildender Kunst gespiegelte Studie nahegebracht, die zugleich als Kulturgeschichte menschlicher Sehnsucht nach Transzendenz ebenso wie ihrer Verwerfung lesbar ist. 2020 wurde er dafür mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

 

Wobei die von dieser Lektüre ausgehende Faszination in der Erschütterung des Autors angesichts des tiefgreifenden Erlebens bestimmter Werke und der ihnen eigenen Aura besteht, die zugleich den Leser ergreift, aber auch auf außergewöhnliche Begegnungen zutrifft. Dominant ist insofern Földényis ganz persönlicher Zugang zu der Materie, was der faktischen Ebene unendlich anmutende, weitere Dimensionen hinzufügt und erkenntnistheoretisch ausgesprochen gewinnträchtig ist. So bilden den Rahmen mit „Der Anfang. Auf dem Rücken liegend“ und dem Schluss, „Das Ende. Zwei Augenpaare“, ganz persönliche Erlebnisse. Sie seien an dieser Stelle deshalb hervorgehoben, weil sie von geradezu berückender Literarizität, gepaart mit sinnlichem Erleben, sind, dabei in hohem Maße verdichtet, einen immensen Empfindungsreichtum zur Sprache bringen. Während in „Der Anfang“ minutiös eine außerkörperliche Erfahrung beschrieben, dabei an die erste Begegnung mit einer Leiche als Kind und dem Geruch des Todes erinnert wird, geht es in das „Das Ende“, gleichwohl minutiös, um die Gegenüberstellung des Blicks des Autors in die Augen seines Sohnes unmittelbar nach dessen Geburt sowie des Blicks in die Augen seines Vaters unmittelbar nach dessen Tod.

Die Leerstelle zwischen Geburt und Tod, innerhalb derer sich die menschliche Existenz bewegt, und die großen damit verbundenen Fragen nach dem Woher, Wohin, Wozu ist das zentrale Motiv, um welches die Betrachtungen Földényis kreisen und das sich, ohne explizit benannt zu werden, wie eine Art Subtext oder Hintergrundmelodie durch das gesamte Buch zieht. Besagte Leerstelle, der der Mensch ausgesetzt und deren Dreh- und Angelpunkt die Angst vor dem Tod ist, bildet die Grundierung in Földéniys Streifzügen durch die mannigfaltigen Erscheinungsformen der Melancholie – für ihn ein Lebensthema. Einhergehen tun sie, so Földényi im Interview mit Joachim Scholl vom Deutschlandfunk, immer mit diesen ihm selbst rätselhaften Augenblicken, wo einen das Gefühl beschleicht, aus Zeit und Raum gefallen zu sein. Erleben, das an die Zeitqualität des Gottes Kairos gemahnt, diesen glücklichen Moment des Eingedenkens oder auch zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein. Im Gegensatz zu Gott Chronos, der die linear fortschreitende Zeit verkörpert. Während Letzteres den Takt unseres Alltags dominiert, erleben wir Ersteres immer dann, wenn uns etwas überwältigt. Etwa bei der Betrachtung eines Kunstwerks, beim Bestaunen gotischer Kathedralen, beim Hören von Musik oder in der Natur, bei einem Sonnenaufgang am Meer, einem Spaziergang durch den Wald. Auch hier tritt die Zeit-Raum-Dimension zugunsten eines erweiterten Bewusstseins, das ganz im Hier und Jetzt verankert scheint, einer Einheitserfahrung gleichkommend, in den Hintergrund und bringt uns mit einer tiefer fußenden Wahrheit in Kontakt, einer Wahrheit, die uns mit unserer so unerbittlich wie unausweichlich anmutenden Endlichkeit versöhnen mag. Dies sind in der Auffassung von Földényi die Momente, denen Melancholie innewohnt.

Einen solchen beschreibt er denn auch eindrücklich im ersten Abschnitt seiner „Einführung“ unter dem Titel Melancolía. Auch dies eine Art Einheitserfahrung während der Fahrt im überfüllten Bus von Madrid nach Guadulupe um die Osterzeit, der sich durch eine gesteigerte Wahrnehmung seiner Umgebung auszeichnet, während das Ich in Auflösung begriffen scheint:

„Als wäre ich ein Bruchstück, das aber nicht aus etwas herausgebrochen wurde, sondern genau so, als Bruchstück ganz und endgültig war. Kristallklar erkannte ich, dass es auch eine Perspektive gab, aus der betrachtet es gleichgültig war, ob ich existierte oder nicht, denn wenn ja, war das Universum auf diese Weise vollkommen, und wenn nicht, dann eben auf jene.“ Leseprobe

Im Folgenden schlägt Földényi zunächst eine Brücke zu Dürers Gemälde Melancholia, wo er anhand des dort wie ein Fremdkörper sich findenden Polyeders, der in keinem Verhältnis zu den übrigen Details des Gemäldes steht, den rätselhaften Charakter der Melancholie herauskristallisiert. Fortgeführt wird besagter Polyeder wiederum gleich zu Beginn des Kultfilms „Odyssee im Weltraum 2001“ ebenso wie er in der einzigartigen Architektur der Bruder-Klaus-Kapelle von Peter Zumthor in der Eiffel, gefolgt von vielfältigen weiteren Spiegelungen, fortgedacht wird. Sei es im Werk Anselm Kiefers, Josef Beuys‘, Gerhard Richters, Giovanni Segantinis, im literarischen Werk W.G. Sebalds, um nur einige hier aufzuführen.

Insofern gewährt die Lektüre zugleich einen so kenntnisreichen wie vielfältigen, dabei immer wieder packenden Streifzug voller Lebendigkeit durch die Kunst- und Kulturgeschichte der Neuzeit von immenser Dichte und beachtlicher stilistischer Qualität.

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl!

 

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Verlag Matthes & Seitz, Berlin                                                                     Archiv

Buchtipp März - April 2022

© Erna R. Fanger

Die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist nur ein hartnäckiger Eindruck. Albert Einstein

Von innen heraus erzählt

Jon Fosse: Ich ist ein anderer. Heptalogie III-V*

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Rowohlt Verlag, Hamburg 2022

In Ich ist ein anderer erzählt der vielfach ausgezeichnete Theaterautor und Romancier Jon Fosse in Anverwandlung des rimbaudschen Diktums von der Möglichkeit seines Ich-Erzählers Asle, zugleich er selbst sowie ein anderer zu sein. Aber die Identität des Ich-Erzählers schwankt nicht nur zwischen ihm und seinem Alter-Ego, das wie er Maler ist, jedoch im Gegensatz zu ihm erfolglos und dem Alkohol verfallen. Ein gefährdetes Alter-Ego, um das er sich kümmern, dem er beistehen muss. Schwankend ist gleichwohl die Identität des Asle der fiktiven Gegenwart und des Asle in der Erinnerung an das Kind und den Jugendlichen, wo er von sich in der dritten Person erzählt. Nicht zuletzt legt der Name seiner verstorbenen Frau Asel nahe, dass auch sie als Spiegelfigur angelegt ist, indem nur das L, statt hinter dem E, vor dem E platziert werden müsste, und ihr Name und der des Ich-Erzählers wären identisch. Sie ist es auch gewesen, die ihn veranlasst hat, zum Katholizismus zu konvertieren. Letzteres triff im Übrigen nicht nur auf den Ich-Erzähler zu, sondern auch auf den Autor selbst. Und so, wie sich unablässig Identitäten, Subjekt- und Objektebenen verschieben, sich gegenseitig aufzuheben scheinen und dann unverhofft die Richtung wechseln, überlagern sich gleichwohl die unterschiedlichen Zeitebenen. Fiktive Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft fließen übergangslos ineinander, bilden ein bewegtes Kontinuum jenseits der Chronologie der Ereignisse. Daraus erwächst ein Erzählstrom, in dem sich überdies die norwegische Landschaft mit einschreibt, in der der Ich-Erzähler aufgewachsen ist. Weitläufig, spärlich besiedelt – grandiose Kulisse einer mächtigen, verschneiten Bergwelt. Gleichwohl scheint wiederum den Erzähl-Rhythmus – nicht weniger mächtig im Kommen und Gehen seines Wellengangs – das Meer vorzugeben. Raum- und Zeitkontinuum fließen so unablässig ineinander. Die Chronologie der Zeit entbehrt jedweden Ziels, scheint somit aufgehoben. Ereignisse, Betrachtungen erfolgen scheinbar zusammenhanglos nebeneinander, versehen mit Rückgriffen auf Vergangenes, alles auf derselben semantischen Ebene. Desgleichen changieren die sichtbare und die unsichtbare Welt sowie das Diesseits mit seinen realen Figuren, mit denen der Ich-Erzähler in Verbindung steht, wie der Nachbar und Bauer Åsleik oder Galerist Beyer, der regelmäßig seine Bilder ausstellt, und das Jenseits, wo der Ich-Erzähler, umgeben von Engeln,  mit seiner verstorbenen Frau im Gespräch ist, die er schmerzlich vermisst. Der Leser wiederum gerät so in den Sog einer Dynamik beredter Stille, in der spürbar die norwegische Landschaft den Erzählfluss mitbestimmt.

 

Jon Fosse erzählt radikal von innen her, wo eine Vielfalt an Sphären sich beständig kreuzen, sich berühren, um wieder auseinanderzudriften. Wirklichkeit kreiert sich beständig neu, um wieder verworfen zu werden. Die äußere Welt mit ihren politischen und gesellschaftlichen Aporien scheint von diesem radikalen Innenraum des Erzählens mit seinen Wiederholungsstrukturen und gezielt eingesetzten Redundanzen ausgeblendet. Grell im Focus hingegen einzig und allein das Individuum in seiner Vulnerabilität angesichts des Dramas des Menschseins zwischen Geburt und Tod, Schicksal, dem es ohnmächtig ausgeliefert scheint. Der Ich-Erzähler ein alternder Mann, seelisch angeschlagen im Zuge des Verlusts seiner Frau und so konfrontiert mit einer fragilen Existenz, mit der er nicht zurechtkommt. Ein Mensch in seiner Pein, in seiner Not. Ein Mensch in seiner Angst. Nach Heilung fahndend und Heil findend in der Zuflucht zur Religion, in der Zuflucht zum Gebet, woran er zwar zweifelt, was ihm letzten Endes jedoch hilft.

 

Alles in allem eine komplexe Reflexion über Zeit und Raum, Sein und Identität, Religion, Heil und Heilung. Ein Buch über das Getrenntsein des Menschen von Gott und seine Bestrebungen, über das Medium der Kunst wieder zu einer Einheit mit ihn zu gelangen, ein fortlaufender Erzählfluss ohne Punkt ...

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl!                                                                      Archiv

*Etwas irritierend, besteht die Heptalogie zwar aus sieben Teilen, die jedoch auf drei Bände verteilt sind,  wovon der vorliegende der zweite mit Teil III-V besagter Heptalogie ist.

 Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Rowohlt Verlag, Hamburg

Buchtipp Januar 2022

© Hartmut Fanger: Eine Familie Anfang der Siebziger in Amerika

 Jonathan Franzen: „Crossroads“ Rowohlt Verlag, Hamburg, November 2021

Wer von denen, die sie selbst erlebt haben, erinnert sich nicht an die siebziger Jahre, an die Musik, die Mode, jenen Aufbruch, der 1968 mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung seinen Lauf nahm, gefolgt von den bald weltweiten Anti-Vietnam-Demonstrationen. Die Jüngeren wiederum werden auf über 800 Seiten in Jonathan Franzens „Crossroads“ umfangreich und detailgenau davon erfahren. Auftakt einer großen Roman-Trilogie. Dabei nimmt der Autor ausgerechnet eine mittelständische Pastorenfamilie wie die Hildebrandts in Chicago zum Ausgangs- und Mittelpunkt seines Epos‘, womit jede Menge Reflexion, religiöse, ethische wie moralische Fragestellungen zum Tragen kommen. Und Franzen lässt wahrlich nichts aus, dringt in die innerste Psyche seiner Protagonisten, erzählt dabei eloquent deren Geschichte. Da changieren persönliche Krisen und Nöte von Kindern in der Pubertät mit denen der Erwachsenen in der Midlife-Crisis. Zugleich kommen spießige und von Schuld beladene außereheliche Liebesbeziehungen zur Sprache, wo sich Abgründe auftun, wie etwa die verschämten regelmäßigen Besuche von Mutter Marion in einer als Zahnarztpraxis getarnten psychotherapeutischen Einrichtung. Junge Männer wiederum unterm Banner von Vietnamkrieg und dem Damoklesschwert des per Losverfahren drohenden Militärdiensts. Und natürlich spielt dem Zeitgeist entsprechend die Drogenproblematik eine Rolle. Es geht ums Dealen, Kiffen und darum, wie man es schafft, high zu sein. Beeindruckend und minutiös beschrieben die erste Marihuana-Erfahrung von Tochter Becky, einem spirituellen Erlebnis – ‚Gebet an Gott auf einem Dachboden der Kirche im Dunkel der Nacht’ sowie die Erkenntnis, dass ‚Zeit nicht ohne Licht gemessen werden kann’. 

Außergewöhnliche Ereignisse, etwa auch Wetterlagen, erfordern in der Regel außergewöhnliche Maßnahmen und sind gerade deshalb im Kreativen Schreiben ein beliebtes Stilmittel, bergen sie doch immenses Spannungspotenzial. Franzen nutzt dies verstärkt, indem er es in dem ersten, mit „Advent“ überschriebenen Teil auf vielen Seiten nahezu unentwegt schneien lässt. Da kommen so manche der Protagonisten sprichwörtlich wie im übertragenen Sinne ins Rutschen, bleiben Autos stecken, gerät so mancher Zeitplan durcheinander, ist von Räumungsarbeiten die Rede.

Der Verdacht liegt nahe, dass wir es mit einem Roman zu tun haben, wie man ihn heute eigentlich nicht mehr schreiben kann. Alles ist ausformuliert, so dass für den Leser kaum mehr Spielraum für eigene Deutungen bleibt. Und dennoch entsteht von Beginn an ein Lesefluss, ja Sog, dem man sich, stilistisch ausgefeilt, bis zum Schluss hin kaum entziehen kann. Der Leser möchte jedenfalls unbedingt wissen, wie es weitergeht. Franzen ist einfach einer der ganz großen Erzähler der Gegenwartsliteratur!

 Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl!                                                                Archiv

 

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