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Die Welt Ein Knäuel von Wörtern

Kurt Marti, Wort-Warenladen, Verlag Urs Engeler, CH-Schupfart 2021

Zwischen „Eselskönig“ für Jesus (Hugo Ball), „Seelensprache“ für Musik

(Wieland) und Novalis‘ „Seelenverdauung“ für Schlaf ...

 

Kurt Marti (1921-2017) war nicht nur Schweizer Pfarrer und Lyriker und politisch engagierter Zeitgenosse, der nicht selten als einer, der ‚den Himmel auf Erden anzetteln‘ wollte, aneckte. Kurt Marti war auch ein akribischer Sammler. Er sammelte Wörter, Wörter aus Lektüren, nach Bereichen geordnet: „Weltall“, „Sterne“, „Mond“... Innerhalb dieser wiederum ging er alphabetisch vor, der Name des Autors, bei dem er einen solchen Wort-Fund machte, erscheint dahinter in Klammer. Beim Bereich „Jahreszeiten“, in sich wiederum in „Frühling“, „Sommer“ ... gegliedert, lautet das erste Wort sub voce „Frühling“ zum Beispiel Aprilgefunkel (MayröckerF), das letzte Werdelust (Goethe). Wörter, die uns kitzeln mögen, aufwiegeln oder anrühren, bisweilen stechen, Wörter, die zart und leicht, dann wieder eisenschwer daherkommen, uns treffen mit aller Wucht.

Bereits an den wenigen bis dahin aufgeführten ‚Kostproben‘ ist ersichtlich geworden, um was für einen Schatz es sich hier handelt Fundgrube par excellence für jeden Autor, jede Autorin. Darin eingeschrieben Kurt Martins Credo, dass die Sprache mitentscheide, in welcher Welt wir uns bewegen. Wieviel Fantasie zum Beispiel darin Raum einnimmt, wieviel Leichtigkeit und Spiel, wieviel Ausdruckskraft für die Last und all das Schwere mit der menschlichen Existenz Verbundene uns im Rahmen von Sprache gewährt ist, wieviel Offenheit, Weite, mit Blick auf innovative Perspektiven, die uns als Menschheit in Richtung Humanität voranschreiten lassen. ‚Zärtlich und genau zu sein“ waren Leitlinien in Kurt Martis Lyrik – im scheinbar Unbedeutenden die Größe erkennen, das Wunder aufspüren in einem Blatt, im Blick, der einen im Vorübergehen streifen mag, im unverhofften Lächeln.

In jedem Fall eine funkelnde Schatztruhe für alle der Schreibenden Zunft Zugehörige.

 

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl.

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