Hartmut Fanger Blog

Aktuell: Erna R. Fanger & Hartmut Fanger (Hg.): "Geschichten aus dem Frühstücksraum":

Seit knapp vier Jahren besteht die Offene Schreibgruppe im Rahmen von schreibfer-tig.com, der kleinenfeinen Schreibschule für Jung & und Alt in der Pension Sonntag, Hamburg.

 

Mit diesem Band werden nun erste literarische Ergebnisse präsentiert-spannend, heiter, trau-rig und vor allem unterhaltsam. 

 

Lassen Sie sich in „Magische Welten“ entfüh-ren, nehmen Sie an „Spielarten der Liebe“ teil, erfahren Sie von„Katastrophen und anderen Kleinigkeiten“ und viel, viel mehr.  

 Ab sofort im Buchhandel erhältlich

Aktuell! Lernen Sie Hartmut Fanger kennen- Lesung am 20.10.2018 Fabrik der Künste Hamburg:

Samstag, 20.Oktober2018

19.00 Uhr Lesung zur Ausstellung

Der Letzte macht das Licht aus - Es werde Licht!

Schreibgruppe Hamburg “schreibfertig.com“

Kurzprosa zum Ausstellungsthema

Musikalische Begleitung mit Saxophon von

Petra Thelen

Fabrik der Künste

Kreuzbrook 12 · 20537 Hamburg

www.fabrikderkuenste.de

Tel. 040 - 86685717 · Fax: 040 - 86685718

E-Mail: h.werner@fabrikderkuenste.de  

5 Jahre www.schreibfertig.com

schreibwerkstatt
schreibschuld

 

Seit fünf Jahren www.schreibfertig.com.  Seit 25 Jahren erfolgreiche Dozenten und Lektoren

KREATIV-LITERARISCHES, PROFESSIONELLES SCHREIBEN

 

 Wir praktizieren: Kreatives Schreiben - Literarisches Schreiben – Schreiben für Sachmedien - Kreativitätstraining für Autoren auf Fernschulbasis und professionellem Niveau. 

NEU: Themenzentriertes Schreiben ist auf den Weg gebracht, ab sofort zu buchen: Schreiben nach einem Thema Ihrer Wahl, wie in unseren Gruppen und Seminaren erprobt, mit Inspirationen, die jeden zum Schreiben verlocken.

 

Im Zuge unserer langjährigen  Erfahrung stellte sich heraus, dass sich Themenzentriertes Scheiben in unseren Seminaren und Schreibgruppen besonderer Beliebtheit erfreut hat.  Überdies hat es sich als effizientes Kreativitätstraining erwiesen – geradezu Garant, zu originellen Texten zu gelangen. Mehr siehe Angebot

Mein aktueller Buchtipp:

Ein Debüt-Roman der extraklasse. Aufregend, erschütternd und in atemberaubender Handlung bis zur letzten seite spannend!

 

Gabriel Tallent: „Mein Ein und Alles“, Penguin Verlag München 2018, aus dem Amerikanischen von Stephan Kleiner  

Die US-amerikanischen Kritiken überschlagen sich nicht umsonst. Und es ist auch nicht von ungefähr, dass der Roman von Gabriel Tallent „Mein Ein und Alles“ nach Erscheinen wochenlang auf der Bestsellerliste der New York Times stand und schon jetzt für so renommierte Literaturpreise wie den Los Angeles Times Book Prize for First Fiction nominiert ist. Ein Roman der Extraklasse, der den Leser von Beginn an den Atem anhalten lässt. Seite für Seite ungemein spannend. Nahezu berauschend die Schilderungen der Landschaft, des Waldes, mit allem, was dazu gehört. Tallent verfügt über ein unglaubliches Naturverständnis, das hier in jedem der 31 Kapitel voll zur Geltung kommt. Zwingend die Sprache. Der gesamte von Stephan Kleiner übersetzte Roman ist im Präsens geschrieben, wodurch der Leser stets dicht dran ist am Geschehen.  

Dabei handelt es sich um die Geschichte der vierzehnjährigen Turtle alias Julia Alveston, von ihrem Vater Martin auch Krümel oder Luder genannt. Letztere Bezeichnung kommt nicht von ungefähr. Denn so hat der Vater es ihr eingeimpft. Ein Vater, der sie mit Liebesentzug erpresst, missbraucht, brutal misshandelt, vergewaltigt und ihr mit seinem eigenen wie ihrem Tod droht. Ebenso lehrt er sie den Umgang mit Schusswaffen, was ihm am Ende im Rahmen eines großen Showdowns zum Verhängnis werden soll.  

Turtle scheint völlig auf sich allein gestellt. Schulleitung und Lehrerin spüren zwar, dass etwas nicht in Ordnung ist, unternehmen jedoch kaum etwas. Ja es hat sogar den Anschein, dass sie dem brillanten Intellekt des Vaters nicht gewachsen sind. Allein die zwei Jungen, denen sie aus dem Wald hilft, nachdem sich diese verlaufen hatten, bringen Verständnis für sie auf. Einer von ihnen, Jacob, verliebt sich am Ende in sie. Doch die Liebe steht unter einem bösen Stern, solange Turtle bei Martin lebt. Dieser will sie um keinen Preis loslassen. Schließlich sei sie ‚sein Ein und Alles’, wie bereits der Titel verrät. 

Etappe für Etappe nimmt der Leser am Entwicklungsprozess von Turtle teil, lernt ihre Schwächen, vor allem aber ihre Stärke kennen. Ebenso nimmt er die Vernachlässigung des Mädchens und Brutalität des Vaters ihr gegenüber wahr. Als dieser sich am Tod des Großvaters, den Turtle geliebt hat, schuldig macht und dessen Habe verbrennt, will sie zunächst nur noch sterben. Am Ende jedoch wird klar, dass dies der entscheidende Wendepunkt in ihrem Leben ist, aus dem sie letztlich Kraft schöpft, um sich gegen den Vater zur Wehr zu setzen.                                                    © Hartmut Fanger

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Pinguin Verlag 

Mein aktueller Buchtipp:

Nicht nur für Beatles-fans 

David Foenkinos: „Lennon“Aus dem Französischen von Christian Kolb. Deutsche Verlags-Anstalt. DVA, München 2018

 

Wer die 60er und 70er Jahre verstehen will, der kommt an den Beatles schon zwangsläufig nicht vorbei, nicht an deren Musik und Lebensphilosophie, ebensowenig wie an den Schlagzeilen. Zweifellos waren die Fab Four aus Liverpool weltweit populär. Und der Protagonist war ihr Bandleader John Lennon.  Es kommt deshalb auch nicht von ungefähr, dass der gegenwärtige Popstar unter den  französischen Autoren, David Foenkinos, einen Roman über die Ikone verfasst hat, der Dank seiner präzisen und umfangreichen Recherche nahezu wie eine Biografie anmutet. Das Ganze mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen. Für Fangemeinde, Popwelt und Literaturinteressierte ein Grund zur Freude. Im Übrigen liest sich der Roman ausgesprochen gut und vermittelt das außergewöhnliche Leben Lennons aus der Ich-Perspektive, was besonders nah an die Hauptfigur heranführt. 

David Foenkinos John Lennon. Fast kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als wäre der Autor eine Symbiose mit dem Gegenstand seines Interesses eingegangen. Authentisch, originell und treffend werden im Rahmen von 18 Sitzungen einer Psychoanalyse, zugleich Kapitel, Höhen und Tiefen im Leben John Lennons ausgelotet. Frappierend, wenn der Leser bisweilen das Gefühl nicht los wird, als würde John Lennon ihn von der Couch aus direkt ansprechen, und so unmittelbar aus dessen Leben erfährt. John Lennon reflektiert: von der Kindheit des Protagonisten bis hin zum Beginn der Beatles, von den ersten großen Erfolgen bis hin zu Yoko Ono, vom „Bombenlärm“ des Zweiten Weltkriegs bis hin zu „Give Peace a Chance“, vom ‚ersten Joint’ mit Bob Dylan bis hin zur Heroinsucht. Ein langer Monolog, der jedoch mit keiner Zeile langatmig wird. Im Gegenteil. Mitreißend, von Lennons Umgang mit dem Ruhm, seinem Verhältnis zu Paul McCartney zu erfahren, von seinem Protest gegen den Vietnamkrieg und seinem Kampf darum, während der Zeit Richard Nixons in Amerka bleiben zu dürfen. Zahlreiche nicht weniger berühmte Zeitgenossen treten in Erscheinung oder werden zumindest erwähnt. Sei es George Harrison, Ringo Starr, Mick Jagger, Frank Sinatra, Allen Ginsberg oder Fred Astaire. Nicht zu vergessen, Maharishi-Jogi. 

Und es wundert dann auch nicht, wenn Foenkinos im Nachwort bekennt, dass John Lennon ‚ein Teil seines Lebens sei, seine Musik ihn überhall hin begleite und er ihn wahnsinnig bewundere’. Dies ist dem mit Herzblut geschriebenen Roman sehr wohl anzumerken und gewiss zugleich auch sein Stärke. Überraschend, dass Foenkinos erst 1974 geboren ist, er also einen Großteil von Lennons Leben erst im Nachhinein hatte kennenlernen können. Zu allem hin bestand die Schwierigkeit, dass nach Foenkinos ’Lennon seine Biografie selbst wohl mehrmals umgeschrieben hat’. Umso beachtlicher die Leistung. Foenkinos ist mit „Lennon“ ein großer Wurf gelungen.

 © Hartmut Fanger

 Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt der Deutschen Verlags-Anstalt DVA!

Mein aktueller Buchtipp: "Flashback  – Amerikanische Wirklichkeit gestern und heute":

Sinclair Lewis: „Main Street“, aus dem amerikanischen Englisch übersetzt  von Christa E. Seibicke, mit einem Nachwort vom Heinrich Steinfest, Neuausgabe,  Manesse Verlag, München 2018.

 

Wer sich für die kommenden Tage, gar die Ferien, ein besonderes Lesevergnügen gönnen möchte, dem können wir „Main Street“ von Sinclair Lewis aus dem Jahre 1920 nur empfehlen. Humorvoll, intelligent und derart flüssig geschrieben, dass der Leser, erst einmal angefangen, mit der Lektüre nicht mehr aufhören kann. Auf immerhin 950 Seiten (!) gelingt es dem Autor sehr wohl, Lesesucht zu erzeugen. Dazu kommt die vom Manesse Verlag gewohnheitsgemäß liebevolle Ausstattung, hier mit Fadenheftung und dem 27 Seiten umfassenden Anmerkungsapparat, der so manch’ weniger geläufige Begrifflichkeit erklärt, die im Zuge von nahezu 100 Jahren in der Versenkung verschwunden ist. Von der vorzüglichen Neuübersetzung Christa E. Seibickes und dem sorgfältig aufbereiteten Nachwort Heinrich Steinfests ganz zu schweigen.  

In diesem Jahr wird kein Nobelpreis für Literatur vergeben. Zeit also, an einen Nobelpreisträger der ersten Stunde zu erinnern. Sinclair Lewis erhielt 1930 als erster US-amerikanischer Autor die begehrte Auszeichnung, die ihm einst Weltruhm einbrachte. Dabei hätte er schon im Jahre 1925 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet werden sollen, den er jedoch abgelehnt hatte, nachdem ihm diese Trophäe zuvor vorenthalten wurde. „Main Street“ (1920), womit Lewis zugleich seinen literarischen Durchbruch erzielte, zählt zusammen mit „Babbit“ (1922) und „Elmer Gantry“ (1927) von insgesamt 21 Romanen zu seinen bedeutendsten Prosawerken, von denen Ersteres 1936 unter dem Titel  „Kleine Stadt mit Tradition“ von Archie Mayo verfilmt wurde. 

„Main Street“, Hauptstraße, steht für das, was jedem Ort Amerikas seinen Stempel aufdrückt. Dementsprechend könnte der Roman, wie Lewis gleich zu Beginn verrät, ebenso „in Ohio oder Montana, in Kansas, Kentucky oder Illinois“ spielen. Wobei eine solche amerikanische ‚Main Street’ nicht mehr und nicht weniger ‚als der Höhepunkt der Zivilisation’ gilt. Und natürlich hat auch der fiktive Ort „Gopher Prairie“ eine solche – obwohl es in der Provinz mit der ‚Zivilisation’ nicht gerade zum Besten bestellt ist. Die kleine Stadt ist von Grund auf hässlich und verfügt über allenfalls ein Minimum an Kultur. Besonderen Reiz erfährt das Ganze, wenn sich jemand wie Carol Kennicot, die hinreißend charmante, so gebildete wie engagierte Hauptfigur, Großstädterin und Frau des ortsansässigen Arztes es sich zur Aufgabe macht, die kleine Provinzstadt kulturell auf Vordermann bringen und modernisieren zu wollen. Ein Unterfangen, das von vornherein zum Scheitern verurteilt  zu sein scheint. Dies erweist sich spätestens in dem Moment, wo die von ihr inszenierte Theateraufführung wirkungslos bleibt und sie sich vorerst geschlagen geben muss. Ihr größtes Problem ist dementsprechend, dass sich die Bevölkerung für jedwede Veränderung als resistent entpuppt. 

Dabei ist das Engagement, das die Protagonistin an den Tag legt, immens. So macht sie sich in der oberen Gesellschaft des Nestes bekannt, zieht ihre Fäden, versucht Freundschaften zu schließen und wird, noch bevor sie einen eigenen Salon gründet, gar Mitglied im erzkonservativen „Frauenkulturclub Thanatopsis“, der sich, man lese und staune, gegen das Frauenwahlrecht ausspricht, sich zugleich jedoch mit Vorliebe, wenn auch etwas oberflächlich, den Literaturen Europas widmet. Doch schon an den britischen Dichtern scheiden sich spätestens bei Swinburne, der aufgrund seiner Vorliebe für Erotik als Schunddichter in Verruf stand, die Geister. Aber auch die Vorstellung Carols von der Höhe der Bezahlung der Dienstmädchen kommt nicht gut an. Ebenso wie ihre Mode – sie trägt knöchelfreie Röcke – Aufsehen erregt, gilt dies doch als anstößig. Eine Bürde zu allem hin, dass sie ausschließlich vom Haushaltsgeld ihres Mannes leben soll, der dies nur allzu gerne zu zahlen vergisst. Und dann die Tatsache, dass jeder von jedem so gut wie alles weiß. Selbst die zum Trocknen aufgehängte Unterwäsche Carols ist vor der Dorfjugend nicht sicher.  

Wie leicht zu erkennen, treffen hier unterschiedliche Weltbilder aufeinander. „Urbane Liberalität und ländlicher Eigensinn“Weitsicht und Enge. Unschwer tun sich dabei Parallelen auf zu den USA heute. Der Riss dort zwischen Land- und Stadtbevölkerung ist spätestens mit dem letzten Wahlergebnis von 2017 eklatant zutage getreten. Die Politik wiederum eines Donald Trump mit seinen nationalen Ambitionen und populistischen Parolen scheint dementsprechend eine logische Konsequenz. Dies war zu der Zeit, in der dieser Roman spielt, im ersten Jahrzehnt des zwanzigstens Jahrhunderts, offensichtlich nicht viel anders und verleiht dem Ganzen seine Aktualität und Brisanz, wie auch anhand vieler kleiner Details ablesbar. 

Inwieweit  Carol Kennicot es nun gelingen mag, Fuß zu fassen, sich Anerkennung und Respekt zu verschaffen und die sture Bevölkerung Schritt für Schritt hin in Richtung Veränderung zu bewegen, mit dem Ziel, aus dem Ort ein kulturelles Schmuckkästchen zu machen, wird hier nicht verraten. 

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl.

 

Unser herzlicher Dank für ein Rezensionsexemplar gilt dem Manesse-Verlag!  

Mein aktueller Sachbuchtipp: Zwei Ikonen in Musik und Politik

Liedermacher im Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit  und Humanität. Zeitgeschehen in Biographie und Autobiographie

 

 

 Jens Rosteck: „Joan Baez. Porträt einer Unbeugsamen“, Osburg Verlag, Hamburg 2017

Wolf Biermann: „Warte nicht auf bessere Zeiten!“, Ullstein Verlag, Taschenbuch, Berlin 2017

 

Datei zum Herunterladen:  Sachbuchtipp Archiv 

Mein kleiner Betrag zu Weihnachten in 1001 Zeichen:

Lieblingsbücher, womit nicht nur aktuelle Werke gemeint sind...:

„Ich wollte in der Welt sein, Nicht in den Büchern“

Ulla Hahn: „Wir werden erwartet“, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2017

Nach „Spiel der Zeit“ hier nun mit 629 Seiten der letzte in sich abgeschlossene Teil des ungemein erfolgreichen autobiografischen Roman-Zyklus’ von Ulla Hahn: „Wir werden erwartet“. Schon das erste Werk dieser Reihe, „Das verborgene Wort“, avancierte zum Bestseller und erhielt 2002 den Deutschen Buchpreis.

Wie schon bei seinen Vorgängern handelt es sich auch bei „Wir werden erwartet“ um einen Entwicklungs- und Bildungsroman. Im Zentrum Protagonistin Hilla Palm – ‚Mädchen aus dem Rheinland und aus einfachen Verhältnissen’, das sich der ‚Arbeiterklasse’ zugehörig fühlt und in die DKP eintritt. Entscheidende Stationen ihres Lebens sowie jede Menge Zeitgeschichte bilden die Schwerpunkte. Und so mancher mag darin Teile seines eigenen Werdegangs wiedererkennen, der politischen Verhältnisse, des Ambientes einer Universität oder das einer so Großstadt wie Köln oder Hamburg. Dabei verfügt der Roman über einen enormen Fundus an kleinen und großen Details, die das Ganze plastisch und facettenreich in Erscheinung treten lassen. Zum Beispiel, wenn von dem Schrecken des Krieges in Vietnam oder von der ersten Mondlandung mit Apollo 11 die Rede ist und zumindest der Fußabdruck auf dem Erdtrabanten infrage gestellt wird. Darüber hinaus kulturelle Ereignisse wie Woodstock, die Protestsongs von Bob Dylan oder Joan Baez, die Beatles mit Liedern wie „Let it be“ oder Simon and Garfunkel mit „Bridge over Troubled Water“. Im Jahr 1971 die Verleihung des Friedensnobelpreises an Willy Brandt. Später dann die Thematisierung der mörderischen Baader-Meinhof-Gruppe, die ab 1970 die Medien beschäftigte. Nicht zuletzt die Verleihung des Friedennobelpreises an Willy Brandt im Jahre 1971.

 

Die Beschreibung der wie Pilze aus dem Boden schießenden Wohngemeinschaften, Hippie- oder K-Gruppen ergänzen das Bild. Von den Forderungen nach Freier Liebe, der Einführung von Mao Zedongs Lieblingsfrucht, der Mao Mango, ganz zu schweigen. Und nicht zu vergessen: die für die Zeit unabdingbaren Lektüren, wie „Das kommunistische Manifest“ von Marx und Engels, „Ein Zimmer für, sich allein“ von Virgina Woolf, Pablo Nerudas „Canto General“ oder „Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiß – um nur die gängigsten hier aufzuführen. Doch auch die Darstellung des universitären Betriebs der Hamburger Uni mit ihrem Philosophenturm, den Geisteswissenschaften, insbesondere  des Germanistischen Seminars mit seinen Professoren ist lesenswert. Die dort und in linksliberalen Arbeitskreisen behandelten Themen, wie etwa das Werk Heinrich Heines oder die Auseinandersetzung mit der Arbeiter- und Befreiungsliteratur.

 

Bezeichnenderweise beginnt der in drei Abschnitte aufgeteilte Roman „Wir werden erwartet“ mit „Der Tod“, gefolgt von „Der Kampf“ und schließlich „Das Fest“. Ist es doch zugleich auch die Geschichte eines gravierenden Verlusts, der Trauerarbeit erfordert. Dementsprechend wird am Anfang viel gestorben. Einschneidend die Erfahrung, als Hugo, der enge Lebensgefährte Hilla Palms, überraschend durch einen Autounfall ums Leben kommt. Verzweiflung und Trauer beherrschen viele Seiten. Hinzu kommt der Tod von Kommilitonin und Kollegin Annegret, der Tod des ersten Mannes ihrer Mutter und weiterer Personen aus dem Umfeld. Dabei gelingt es Ulla Hahn, den Leser mitten ins Geschehen zu ziehen. Und dies mit leichter Hand und einer Fülle an Zeit- und Lokalkolorit, Witz und Charme, immer wieder eingebettet in rheinischen Dialekt. Nur so, Beruhigungspillen und Therapie inbegriffen, ist es der Protagonistin offenbar möglich, die Zeit der Trauer, zweitweise auch vermischt mit Hass auf Gott und die Welt, durchzustehen, was die Autorin so eindringlich wie authentisch vor Augen führt.

Nicht unerwähnt bleiben darf die poetische Sprache Ulla Hahns, die daran erinnern mag, dass sie ihre schriftstellerische Laufbahn als Lyrikerin begonnen hat. In den Vordergrund tritt dies vornehmlich in den Natur- oder Landschaftsbeschreibungen:

In sich logische Konsequenz dementsprechend scheint, wenn zu Beginn des zweiten Teils „Der Kampf“ in Hamburg das Gedicht als solches sowohl theoretisch als auch praktisch an Einfluss gewinnt. So erfährt zum Beispiel ein Gedicht von August Graf von Platen eine Umdichtung; gefolgt von einer Hommage in Form eines Gedichts an Gertrud Kolmar, oder wenn die Protagonistin Überlegungen anstellt, inwieweit die ‚Basis eines Gedichtes anstatt der ‚Mühen der Arbeit’ eher die ‚Freude’ daran sein sollte. Ihre Könnerschaft auf dem Gebiet stellt die Protagonistin dann mit den Gedichten „Fest auf der Alster“, „Schreibübung“ oder „Spazierfahrt in norddeutscher Landschaft“ unter Beweis.

„Der Kampf“ zeigt aber auch die unermüdliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dessen Verbrechen an der Menschheit, hebt den Einsatz Einzelner im Widerstand hervor, die verhaftet, gefoltert und im KZ einen vorzeitigen Tod erlitten hatten. Darüber hinaus den Einsatz linker Gruppierungen und Organisationen im „Kampf für eine bessere Gesellschaft“  bis hin zur Wiedervereinigung 1989. Schließlich den Bruch der ‚Genossin Palm’ mit DKP und System als Konsequenz der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der ehemaligen DDR im Jahr 1976. In ihrer Funktion als Vorstandsmitglied des Schriftstellerverbandes hatte Hilla Palm dagegen protestiert.  

Dem Leser jedenfalls wird mit „Wir werden erwartet“ ein Stück vitaler Zeitgeschichte der Bundesrepublik aus der Sicht einer politisch engagierten jungen Frau, Lyrikerin und Schriftstellerin, aus dem Arbeitermilieu stammend, geboten!                                                                                   Hartmut Fanger

Zwei Romane über ein Gedicht - Goethes Marienbader Elegie

Friedemann Bedürftig: „Die lieblichste der lieblichsten Gestalten“,

Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2004

Martin Walser: „Ein liebender Mann“, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg

2008, Taschenbuchausgabe rororo 2009

Wie viele Meisterwerke der Weltliteratur verfügt auch Goethes ‚Marienbader

Elegie’ über eine bemerkenswerte Entstehungsgeschichte. Schon die

Urfassung ist von kulthaftem Charakter. Von Goethe von der Kutsche aus

auf dem Rückweg nach Weimar mit Bleistift in einen Kalender für das Jahr

1822 notiert, gelangte sie aus nicht geklärtem Grund nach England, von wo

aus die Schrift 1980 vom Freien deutschen Hochstift praktisch

zurückerworben wurde. Doch es gibt noch mehr Denkwürdiges, handelt die

Elegie selbst doch von der Liebe des 73jährigen zu der 19jährigen Ulrike von

Levetzow. Während seines Kuraufenthalts hatte er ihr im September 1823

einen für die damalige Zeit aufgrund des Altersunterschieds peinlichen

Heiratsantrag gemach. Als die 19jährige ablehnte, stürzte dies den Dichter in

eine tiefe Sinnkrise. Arthur Henkel spricht in seinem Geleitwort zur Elegie

1991 treffend von einer „schier vernichtenden Verlust-Erfahrung“. Goethes

„Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren“ bringt dies dann auch aus seiner

existenziellen Not heraus treffend zum Ausdruck. „Die lieblichste der

lieblichsten Gestalten“ bleibt für das lyrische Ich auf immer verloren, es muss

sich damit abfinden, auch wenn die Schmerzen, die es kostet, unermesslich

scheinen: „Doch nie gelängs, die innre Glut zu dämpfen;/ Das rasst und

reisst in meiner Brust gewaltsam/Wo Tod und Leben grausend Sich

bekämpfen“. Und poetischer ist so eine Krisis für einen Dichter kaum

auszudrücken, wenn es schließlich „Und wenn der Mensch in seiner Qual

verstummt/Gab mir ein Gott zu sagen was ich leide“ heißt.

Nun, Goethe hat die Krise überlebt. Und Friedemann Bedürftig hat diese

nahezu einseitige Liebesgeschichte 2004 in Romanform „Die lieblichste der

lieblichsten Gestalten“ detailliert, um nicht Detail verliebt zu sagen, zur

Sprache gebracht, was zeitweilig auf Kosten der Stilistik geht. Immensen

Erfolg erzielte 2008 dann Martin Walser mit seinem Roman „Ein liebender

Mann“, in dem er genau diese Geschichte noch einmal aufgreift. Der Leser

trifft Walser hier vielleicht auf dem Höhepunkt seiner Erzählkunst an. Dabei

versteht es der Autor nicht nur die Goethezeit auch für einen

Außenstehenden nahezubringen, etwas vom Goetheschen Geist auf

anschauliche Weise zu vermitteln, nein, er schildert besagte Episode auch

noch ungemein spannend. Und es ist dem Klappentext nur zuzustimmen,

wenn es heißt, dass „Die Glaubwürdigkeit, die Wucht der Empfindungen und

ihres Ausdrucks...alles von einer Kraft und (Sprach-)Leidenschaft ohne

Beispiel [zeugt]“. Das Ganze liest sich in einem Zuge. Doch trifft Walser

dabei nicht nur den goetheschen Geist auf den Punkt, sondern verrät

offenbar auch etwas über sein eigenes Leben. Ulrich Greiner zumindest

meint in der „Zeit“ vom 21. Februar 2008, dass ‚auch Walser schon passiert

ist, was Goethe passierte’. Zumindest verliebt sich in seinem Roman „In der

Brandung“ (1985) Gastprofessor Halm in eine 30 Jahre jüngere Studentin

und scheitert gleichwohl. Auf jeden Fall verspricht „Der liebende Mann“ eine

so packende wie unterhaltsame Lektüre!

© Hartmut Fanger www.schreibfertig.com

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Hesse auf der Suche nach Spiritualität

Gunnar Decker: „Hermann Hesse. Der Wanderer und sein Schatten“,

Biografie, Hanser Verlag, München 2012

 

Anlässlich des 50. Todestags des Nobelpreisträgers Hermann Hesse

(1877-1962) hat Gunnar Decker eine so lesenswerte wie herausragende,

703 Seiten umfassende Biografie geschrieben. Nahezu zwangsläufig ist

es auch ein Buch über die Suche Hesses nach Spiritualität geworden.

Dementsprechend der Beitrag von Martin Ahrens in „Deutschlandradio

Kultur“ vom 28. Mai 2012, wo er Decker bestätigt, dass dieser ‚dem Dichter sehr nahe komme’. Dabei werde Hesse „...von innen, aus seinen Antrieben und Hemmungen ...als Gottsucher in Zeiten allgemeiner Verunsicherung“ beschrieben.

 

Die Suche nach Spiritualität bildet die Antriebskraft Hesses. Diese führt

ihn auf den Weg als ‚Wanderer’ nach innen und nach außen. Von einer

von Grund auf meditativen Haltung bis hin nach Indien. Von einer Skepsis gegenüber dem Stadtleben bis hin zu Landliebe und natürlichem Dasein. Auch ‚Hermann Hesses Naturliebe’, so Decker, „hat etwas Frommes, das Göttliche in ihr Hochschätzendes. Den Zauber der Worte hat er den Steinen, Pflanzen, Wolken und Schmetterlingen abgelauscht...“ Demnach hat er einiges mit dem Dichter Novalis gemein. In dessen ‚Heinrich von Osterdingen (1799) heißt es zum Beispiel „Ich hörte einst von alten Zeiten reden; wie da Tiere und Bäume und Felsen mit den Menschen gesprochen hätten“. Wie Hesse suchte auch Novalis sein Heil in Indien. Letzterer obschon nur im Geiste. Hermann Hesse hingegen ‚floh’, so Decker, ‚aus der häuslichen Enge’ 1911 mit dem Schiff „Prinz Eitel Friedrich“ von Genua aus nach ‚Hinterindien’, was einst Ceylon, Singapur und Sumatra umfasste.

 

Eine eindrucksvolle Dokumentation dieser Reise liefert Hesse selbst in

seinem Buch „Aus Indien“, das „Aufzeichnungen, Tagebücher, Gedichte,

Betrachtungen und Erzählungen“ enthält. Deutlich wird darin allerdings,

dass Hesse in dem Land des Hinduismus und Buddhismus selten etwas

fand, womit er sich grundsätzlich hätte anfreunden können. Vielmehr

machte er sich über Indien lustig, hatte er doch ‚die scheußliche Erfahrung zu schlucken’, „... dass der seelenvolle, suchende Beterblick der meisten Inder gar nicht ein Ruf nach Göttern und Erlösung ist, sondern einfach ein Ruf nach Money“. Fernöstliche Einflüsse finden sich vor allem in seinem späten Werk wieder. Am bekanntesten „Siddhartha“ mit der Unterzeile „Eine indische Dichtung“. Für Decker „der Versuch einer Synthese von östlichem und westlichem Denken, von Buddha und Heraklit. Hesse sucht ein europäisches Nirvana“. Vorderasiatische und indische Mythologie finden sich auch im „Steppenwolf“ wieder, wo auf der Suche des Protagonisten Harry gleichwohl die Lehren Buddhas und Krishnas gestreift werden.Dies gilt ebenso für Hesses großes Vorbild Goethe, der für diesen Roman essentiell ist, namentlich immer wieder erwähnt wird. Von zentraler Bedeutung für sein gesamtes Werk ist aber auch die Befreiung des Vierzehnjährigen aus dem Kloster Maulbronn, in einer Zeit, wo es bereits klar war, dass Hesse „nichts anderes als ein Dichter werden wollte“, wohl wissend, dass dies kein Brotberuf war. Drangsal, Unterdrückung und Pein im Rahmen des Klosterlebens, in der Erzählung „Unterm Rad“ packend vor Augen geführt, gehen bis heute unter die Haut.

 

Weitere Eindrücke von Hesses Klosterleben vermittelt der letzte große

Roman „Das Glasperlenspiel“, den er während seiner Zeit in der Schweizer Emigration schrieb und in dem damaligen nationalsozialistischen Deutschland nicht veröffentlichen konnte. Das Werk enthält sowohl die beklemmenden Erfahrungen im Kloster als auch besagte Suche nach Spiritualität, wenn es in der Einleitung heißt: „Es bedeutet eine erlesene, symbolhafte Form des Suchens nach dem Vollkommenen, eine sublime Alchimie, ein Sichannähern an den über allen Bildern und Vielheit in sich einigen Geist, also Gott“.

 

Nicht zuletzt versteht es Gunnar Decker vorzüglich den im Werk Hesses

getroffenen Zeitgeist nahezubringen. Bis ins Detail wissenschaftlich genau, dennoch allgemein verständlich, farbig und lebendig, so dass sich die Biographie nahezu wie ein Roman liest. Wobei das Spektrum von der „Kinderseele“ Hesses bis hin zur Freundschaft mit dem Verleger Peter Suhrkamp reicht. Von den strenggläubig pietistischen Eltern und Missionaren bis hin zu seinen ‚Geistverwandten’ Hugo Ball und Emmy Hennings.

 © Hartmut Fanger www.schreibfertig.com

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Sensationeller Fund und demokratisches Gedächtnis

                                                                                                                                                                                                                                             

Walt Whitman: „Jack Engles Leben und Werk“, Manesse Verlag, Zürich 2017. Aus dem amerikanischen Englisch von Renate Orth-Guttmann und Irma Wehrli mit einem Nachwort von Wieland Freund.

Eine Sensation auf dem literarischen Büchermarkt! In akribisch philologischer Kleinarbeit gelang es dem Whitman-Forscher Zachary Turpin 2016 den einst anonymen Autor des Romans „Life and Adventures of Jack Engle“ ausfindig zu machen: kein Geringerer als der US-amerikanische Dichter Walt Whitman, mit seinem Lyrik-Band „Grashalme“ schon zu Lebzeiten in die Welt-Literatur eingegangen. Erschienen als Fortsetzungsroman im New Yorker „Sunday Dispatch“ zwischen 14. März und 18. April 1852, liegen nun, nach sage und schreibe 165 Jahren, neben der amerikanischen, gleich zwei deutsche Fassungen vor. Eine dritte ist in Arbeit! Wir begnügen uns hier mit der gekonnten Übertragung so arrivierter Übersetzerinnen wie Renate Orth-Guttmann und Irma Wehrli im gleichfalls renommierten Manesse Verlag samt aufschlussreichem Anmerkungsteil und einem so umfangreichen wie fundierten Nachwort von Wieland Freund.

Der Autor Walt Whitman (1819-1885) ist auch in Deutschland kein Unbekannter. Neben den oben bereits erwähnten ‚Grashalmen’ wird sich so mancher an den Spielfilm „Der Club der toten Dichter“ aus dem Jahre 1989 erinnern, wo der von Robin Williams verkörperte, von allen geliebte Lehrer John Keating von seinen Internatsschülern mit Versen aus einem Gedicht Whitmans angesprochen wird: „Oh Captain, my Captain“, womit zugleich ein Bezug zu dem ermordeten US-Präsidenten Abraham Lincoln hergestellt wird.

Der Fortsetzungsroman „Jack Engles Leben und Abenteuer’ liest sich mit seinen 22 Kapiteln auf 157 Seiten nahezu wie eine gelungene Auftragsarbeit für eben jene Zeitung “Sunday Dispatch“. Auch wenn die Ausdrucksweise eines im 19. Jahrhundert lebenden Autors in New York zugegebenermaßen nicht selten gewöhnungsbedürftig scheint. Doch jeder, der Klassiker liebt, wird darüber hinwegsehen können. Man denke nur an Schriftsteller wie Edgar Allen Poe und Mark Twain oder den Briten Charles Dickens. Letzterer hatte auf Whitman offenkundig keinen geringen Einfluss. Wieland Freund macht in seinem Nachwort deutlich, dass sich „Thema, Motive, Stil, Handlungsführung und der alles zugrunde liegende Sentimentalismus ganz dem Londoner Großmeister verdankt“. Dementsprechend ist auch der Held des Romans, wie bei Dickens, ein Waisenkind, das es in die Großstadt zieht. Bei dem englischen Vorbild ist es London, bei Whitman New York. In beiden Fällen wiederum treibt ein krimineller Anwalt sein Unwesen. Bei Whitman der skrupellose Covert, der hinter der Erbschaft jener jungen Frau namens Martha her ist, die mit dem  Protagonisten auf schicksalhafte Weise verbunden ist.

Herausragend die plastische Figurenzeichnung. Sei es der Milchmann und Ziehvater des Protagonisten, Ephraim Foster, der ihn in jeder Hinsicht fördert, dessen Frau Violet, die der Ich-Erzähler Jack Engle nie vergessen wird. Sei es die ‚Prachtfrau’ und spanische Tänzerin Inez, in die er sich verliebt, oder der hinterhältige Covert. Von besagter Martha ganz zu schweigen, die den Kontakt zu Jack Engle mit einem Brief eröffnet.

Mit zahlreichen Tricks versteht es Whitman außerdem, seine Leser von Fortsetzung zu Fortsetzung bei der Stange zu halten. So brennt der Leser am Schluss jeder Folge darauf, wie es wohl weitergeht:  Erfüllt sich Jack Engles Liebe zu Inez? Wird er es schaffen, Martha zu helfen und in der bürgerlichen Welt sesshaft zu werden? Oder steht vielmehr zu befürchten, dass der Anwalt mit den hinterlistigen Machenschaften seine dunklen Ziele erreicht? Vor allem aber ist es das Geheimnis um den Namen des Helden Jack Engels, das es über viele der obschon kurzen Kapitel hinweg zu enträtseln gilt.

Bezeichnend nicht zuletzt die Faszination, die eine Großstadt wie New York mit ihren demokratischen Grundstrukturen auf den Helden ausübt. Selbst auf dem Friedhof der Trinity Church atmet Jack Engle den Geist der Freiheit, wenn er allein anhand der Grabsteininschriften entsprechende Geschichten von den Verstorbenen erzählt. So etwa von Edward Marshall und dessen Vorstellung von einer „Nation freier Bürger“ und ‚guter Regierungsführung’, von Alexander Hamilton als Patriot von unbestechlicher Rechtschaffenheit, zugleich ‚Staatsmann von vollendeter Weisheit’, oder von James Lawrence in der US-Navy. Vorbilder des Protagonisten, denen allesamt der lebende und in die Politik strebende Anwalt Covert menschlich wie ethisch nicht das Wasser reichen kann.

Amerika war zur Zeit des Romans bereits ein Einwandererland. Bei Jack Engel wird dies schon allein anhand  der Nebenfiguren deutlich, die etwa aus Irland oder Spanien kommen. Insofern könnte das Ganze tatsächlich als ‚Gegenentwurf zur aktuellen Lage Amerikas’ zu lesen sein, wie es treffend bei der Rheinischen Post „RP Online“ heißt und es einmal mehr an Brisanz nicht fehlen lässt. Figuren unterschiedlicher Konfession und Herkunft tun sich zusammen, empfinden Mitgefühl angesichts der prekären Lage der Waisenkinder. Insofern handelt sich bei dem literarischen Fund auch um eine demokratische Sensation. Zugleich Stimme aus dem Off, daran gemahnend, dass Amerika nicht nur immer schon Einwanderungsland war, sondern auch ein Staat mit demokratischer Tradition und ebenso demokratischen Werten. Alles andere als das, was der derzeit amtierende US-Präsident und New Yorker Bürger Donald Trump repräsentiert.

Dementsprechend gefeiert wird das Werk in namhaften Zeitungen und Radiomagazinen: »Eine Liebeserklärung des New Yorkers Whitman an seine Stadt«, heißt es in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). »Dieser bezaubernde und auch ergreifende kleine Roman ist gerade jetzt in unseren oft so engköpfigen Zeiten eine sehr zu empfehlende Lektüre«, verlautbart Gabriele Arnim in „Deutschlandfunk Kultur“. »Eine Hommage an das multikulturelle Amerika, in dem jeder seine Chance auf eine bessere Zukunft bekommt, unabhängig von Herkunft, Stand oder Rasse«, bekennt Theresa Hübner im WDR. 

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