Buchtipp des Monats Januar 2026
© Hartmut Fanger
Was wären wir ohne unsere Heroes
Frank Schätzing: SPACE BOY, Über David Bowie. Über mich. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2025.
Bekannt vor allem von seinem mittlerweile als Öko-Klassiker geltendem Werk „Der Schwarm“, widmet sich Frank Schätzing mit seiner Autobiographie diesmal einem ganz anderen Genre und schildert darin auf 394 Seiten seine Liebe und Faszination für den Superstar David Bowie. Einem Menschen, dem er persönlich nie begegnet ist, ihn ausschließlich von dessen Schallplatten,
Büchern und Filmen her kennt. Dennoch ist Letzterer für den Autor Schätzing von der Einstellung zum Leben, Musik, Movies und Karriere her richtungsweisend. Von der Literatur und Philosophie Friedrich Nietzsches ganz zu schweigen. Letztendlich ein Zeitdokument vor allem der sechziger, siebziger, achtziger Jahre bis in die Gegenwart.
Pointenreich mit Witz, dabei nicht ohne Eleganz, erzählt der Autor von seinem eigenen Lebensweg, dem schwierigen Unterfangen, seine Schüchternheit als Teenager zu überwinden, anstatt in der Schule Mathematik zu lernen, viel lieber Musik zu machen. Da kommt so ein Idol wie Bowie aus ähnlicher Sozialisation gerade recht, ist zehn Jahre älter und liefert die Musik, die Schätzing von Beginn an ins Herz trifft. Zugleich ist Bowie anders, kleidet sich ungewöhnlich, anfangs feminin. Später gestylt männlich. Immer wieder neu, immer wieder fremd, ganz seiner Philosophie entsprechend, ‚sei viele‘. Seine Auftritte und die teils kosmischen Klänge wecken schnell die Vorstellung, er wäre ein Alien, einer, der wie im Film ‚vom Himmel fiel‘. Schätzing eifert ihm nach, malt sich vor einem Konzert wie auch Bowie einen roten Stern auf die Stirn.
Der Autor Schätzing bringt es fertig, eine Fülle von Fakten, Interview-Äußerungen seines Idols und Konzertbeschreibungen zu verbinden und mit seinen eigenen Lebensdarstellungen zu verknüpfen, ohne dass dies auch nur auf einer Seite erzwungen, langweilig oder trocken wirkte. Dabei kommt es immer wieder zu so überraschend wie geistreichen Erkenntnissen und Reflexionen, wie zum Beispiel, dass ‚Kunst ein Vexierspiel‘ sei, ‚das täuschen, verwirren will‘: „Ein Jonglieren mit Rollen und Identitäten, das Gegenteil von Eindeutigkeit, Grenzüberschreitung statt Verkapselung, sich nicht zuordnen, vereinnahmen lassen“ Leseprobe. Ein Prinzip, das man auf beide Künstler anwenden kann. Und Schätzing hat schon früh begriffen, dass man auf den Spuren seines Heroes schließlich wie Bowie selbst ein Heroe sein kann: „We can be Heroes!“ Nun braucht man gerade nicht ein Heroe sein zu wollen, um dieses Buch mit Gewinn zu lesen. Es macht einfach Spaß und animiert, die eine oder andere CD von Bowie oder Schätzing zu hören, das eine oder andere Buch von ihnen zu lesen oder nochmal auf den einen oder anderen Film Bowies zurückzukommen.
Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl!