Buchtipp des Monats Januar 2026

© Hartmut Fanger

"Das war’s doch, aus der Freude zu leben." Martina Hefter

 

Martina Hefter: HEY GUTEN MORGEN, WIE GEHT ES DIR? Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2024

 

Keine Frage: Martina Hefter hat mit diesem Romandebut zurecht den renommierten Deutschen Buchpreis für das Jahr 2024 erhalten.

Wobei der Titel des Werkes, ganz entgegen dem Roman selbst, eine lapidare, meist nicht ernst gemeinte Frage stellt, auf die auch keine Antwort erwartet wird, allenfalls fungiert sie als Grußfloskel. Entlehnt ist er dem E-Mail Dialog der Protagonistin mit „Love Scammern“, die sich ‚braungebrannt vor Segeljachten mit Basecap und Drei-Tage-Bart‘ abbilden und  als ‘Witwer mit zwei Kindern‘, ‚US-Army-General‘ oder ‚Cowboy vor einer Ranch‘ präsentieren.

In Wirklichkeit stecken dahinter jedoch weit jüngere Männer, die fernab in einem Internet-Café ihre verführerischen Lügen in den Rechner oder ins Handy tippen. Am Ende geht es darum, Geld von einsamen älteren Damen abzuzocken. Die Mitte 50jährige Protagonistin Juno – Performance-Künstlerin und Tänzerin – hat dieses Spiel durchschaut und erlaubt sich in schlaflosen Nächten einen allnächtlichen Spaß damit, die Love-Scammer ihrerseits an der Nase herumzuführen. Und manch schlaflose Nacht ereilt die Protagonistin nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Sorgen um ihren an Multipler Sklerose erkrankten, an den Rollstuhl gefesselten Mann Jupiter. In verheißungsvollem Kontrast wiederum stehen die Namen Juno und Jupiter zu den prekären Bedingungen des Paares als Freischaffende, obendrein mit der Behinderung Jupiters. Daran gemessen, erweist sich das seitens Junos praktizierte ‚Love-Scumming‘ als Art Befreiungsschlag, eröffnet es Ihr doch einen Raum, der es, zumindest kurzfristig, erlaubt, den Engpässen des Alltags, der etliches von ihr abfordert, zu entfliehen. Von Beginn an reicht das Geld nicht, sind bürokratische Hürden zu nehmen, um wenigstens das Krankengeld für Jupiter zu erhalten. Hinzu kommen Pflege rund um die Uhr des Mannes, Erledigung des Haushalts. Last but noch least müssen Aufträge an Land gezogen werden.

Faktisch ein Jammertal, gelingt es Hefter, dieses mit unerschöpflicher Kreativität zu durchschreiten, mit Witz und Würde, nicht selten auch Wut. Dabei verblüfft sie den Leser mit immer wieder überraschenden Wendungen in poetischer Sprache, federleicht, ohne zu beschönigen, zum Besten gegeben.

Doch lesen Sie selbst, lesen Sie wohl! 

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